Vertrauen – Merz und die 14-Prozent-Regierung
14 Prozent — und kein Zufall
Vertrauen sind keine 14 Prozent. Das ist der Anteil der Deutschen, die laut einer Forsa-Umfrage vom 16. Juni 2026 mit der Arbeit von Bundeskanzler Friedrich Merz zufrieden sind. 85 Prozent sind es nicht. Bei den 18- bis 44-Jährigen, also jener Generation, die dieses Land in den nächsten Jahrzehnten tragen soll, sind es gerade noch 9 Prozent. Neun. Das ist kein schlechtes Ergebnis für einen Kanzler. Das ist ein politisches Totalversagen — und es kam schneller als bei irgendeinem Amtsvorgänger seit Jahrzehnten.
Die Zahlen: Ein freier Fall
Wer den Absturz verstehen will, muss beim Anfang beginnen. Als Friedrich Merz am 6. Mai 2025 — im zweiten Wahlgang, weil ihm im ersten die eigene Koalition die Mehrheit verweigerte — ins Amt kam, war die Stimmung noch verhalten positiv: 47 Prozent der Befragten bescheinigten ihm im ersten Politbarometer eher gute Arbeit. Das klingt nach einem ordentlichen Start, bis man die Vergleichszahlen kennt. Angela Merkel startete 2005 mit 72 Prozent Zustimmung. Olaf Scholz begann 2022 mit 65 Prozent. Merz lag also schon am ersten Tag 18 Punkte hinter Scholz — und 25 Punkte hinter Merkel.
Der anschließende Absturz verlief unerbittlich. Ende Oktober 2025 lag die Zustimmung noch bei 46 Prozent — kaum verändert. Dann kippte das Stimmungsbild: Im November rutschte sie auf 40 Prozent, im April 2026 auf 30 Prozent, im Mai auf 28 Prozent. Und jetzt, im Juni 2026, auf 14 Prozent. Zum Vergleich: Olaf Scholz brauchte über eineinhalb Jahre, bis seine Zustimmung unter 50 Prozent fiel. Merz schaffte das in fünf Monaten.

Das ZDF-Politbarometer vom Mai 2026 lieferte noch einen anderen aufschlussreichen Wert: 75 Prozent der Befragten glauben nicht, dass die Bundesregierung ihr angekündigtes Reformpaket zu Steuern, Arbeitsmarkt und Rente bis zum Sommer vorlegen wird. 89 Prozent halten grundlegende Reformen für wichtig. Das Reformbedürfnis ist also riesig — das Vertrauen, dass diese Regierung es stillt, nahezu null.
Versprochen, vertagt, vergessen
Dabei hatte Merz beim Amtsantritt nicht wenig versprochen. Wirtschaftswende. Steuerentlastungen. Ein modernerer Staat. Eine Koalition, die endlich liefert, statt zu streiten wie die Ampel. Der Subtext war klar: Wir machen es besser. Die Botschaft kam an — zumindest kurz.
Das Problem ist nicht, dass Reformen Zeit brauchen. Das Problem ist, dass aus dem großen Versprechen eine Ankündigungsmaschine geworden ist, die ankündigt, was sie ankündigt, und dann erklärt, warum es diesmal leider doch nicht klappt. Steuern? Koalitionskompromiss. Arbeitsmarkt? Koalitionskompromiss. Rente? Man arbeite daran. Drei Viertel der Bevölkerung haben verstanden, was das bedeutet: nichts Konkretes, nichts Verbindliches, nichts, worauf man sich verlassen könnte.
Dabei ist die Koalitionskonstellation dieselbe wie bei früheren Großen Koalitionen — Union und SPD, bekanntes Terrain, erprobtes Modell. Nur dass diesmal offenbar selbst die erprobten Modelle nicht mehr funktionieren. Im Mai 2026 bescheinigten nur noch 18 Prozent der Befragten der Koalition eine gute Zusammenarbeit. Vor der Regierungsbildung hatten 51 Prozent erwartet, dass Union und SPD gut miteinander arbeiten würden. Auch diese Erwartung wurde pulverisiert.
Das ist kein Pech. Das ist Selbstverschuldung.
Wer profitiert — und warum das kein Zufall ist
Während die Schnecke kriecht, überholt der Hase. Die AfD liegt in aktuellen Umfragen stabil vor der Union — ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik. Wer das für einen Zufall hält, hat nicht verstanden, wie Populismus funktioniert.
Wenn eine Regierung Reformen ankündigt und nicht liefert, wächst nicht Geduld, sondern Verachtung. Und Verachtung ist das Biotop, in dem die AfD gedeiht. Sie braucht keine eigenen Lösungen — sie braucht nur den Nachweis, dass die anderen versagen. Den liefert die Merz-Regierung derzeit zuverlässig, Monat für Monat, Umfrage für Umfrage.
Wer die Mechanismen hinter dieser Entwicklung verstehen will — wie soziale Unsicherheit in Politikverdrossenheit umschlägt und warum die AfD dabei nicht trotz, sondern wegen der Fehler der anderen wächst — findet das in unserer Analyse Deutschland, Merz und die AfD ausführlich aufgedröselt. Und die Manipulationstechniken, mit denen die AfD genau diesen Frust politisch vermarktet, haben wir im großen Überblick zu Populismus und seinen Tricks zusammengestellt.
Fazit: Die selbstverschuldete Bedeutungslosigkeit
14 Prozent Zustimmung sind kein Betriebsunfall. Sie sind das Ergebnis einer Regierung, die mit großen Worten begann und mit kleinen Taten fortfährt — während draußen eine Partei auf Rekordjagd geht, die weder Lösungen noch Demokratieverständnis mitbringt, dafür aber umso lautere Versprechen.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob Merz noch schlechtere Umfragewerte erreichen kann. Die eigentliche Frage ist, ob eine Regierung mit diesem Vertrauensniveau überhaupt noch in der Lage ist, das zu tun, wofür sie gewählt wurde: regieren.
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Quellen — hier können Sie meine Arbeit selbst recherchieren.
- ZDF Politbarometer, Forschungsgruppe Wahlen — aktuelle und archivierte Ausgaben (abgerufen 17.06.2026)
- ZDF Politbarometer Mai I 2026 — Pressemitteilung (abgerufen 17.06.2026)
- ZDF Politbarometer April 2026 — Pressemitteilung (abgerufen 17.06.2026)
- ZDFheute: Schlechter als Scholz — Merz nach einem Jahr im Amt (06.05.2026) (abgerufen 17.06.2026)
- Forsa/RTL-Trendbarometer: Merz-Zustimmung Juni 2026 (abgerufen 17.06.2026)
- ZDF Politbarometer Januar I 2022 — Scholz-Startwert 65 % (abgerufen 17.06.2026)
