Weidel Abizeitung Faktencheck: Sharepic mit Faktencheck-Banner

Weidel Abizeitung Faktencheck: Was wirklich dahinter steckt

Weidel, die Abizeitung und ein Sharepic, das sich selbst ein Bein stellt

In einer Facebook-Gruppe, in der auch ich Mitglied bin, macht seit Februar 2025 ein Sharepic die Runde. Die Botschaft: Alice Weidel sei schon in ihrer Abizeitung als „schamlose Lügnerin“ bekannt gewesen – Quelle: ZDF-Porträt. Dieser Weidel Abizeitung Faktencheck geht der Behauptung nach. Aufruf des Posts: „Lasst diesen Beitrag viral gehen.“ Hashtag inklusive.
Dieser Weidel Abizeitung Faktencheck zeigt, was an dem viralen Zitat wirklich dran ist.

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Klingt nach einer starken Enthüllung. Ist aber bei näherem Hinsehen ein Lehrstück darüber, wie man eine im Kern echte Quelle so zurechtbiegt, dass am Ende ein Eigentor dabei herauskommt. Nachgehakt.

Was an dem Sharepic stimmt

Fangen wir mit dem Erfreulichen an: Die Quelle ist keine Erfindung. Alice Weidel hat 1998 am CJD-Gymnasium in Versmold tatsächlich Abitur gemacht, und im Jahrbuch des Jahrgangs sind gleich drei Einträge der Abiturientin gewidmet. Das abgebildete Textfragment mit der „schlafwandlerischen Unbeirrbarkeit“ und dem „Hobby des Haareschneidens“ existiert wirklich. Auch das ZDF-Porträt „Alice Weidel – Ein Porträt“ gibt es, und es zeigt die Passage.

Soweit also: Quelle echt. Text echt. Screenshot echt.
Damit könnte der Weidel Abizeitung Faktencheck eigentlich enden. Er tut es aber nicht, denn ab hier wird es dünn.

Und ab hier wird es dünn

Drei Probleme hat das Sharepic – und sie sind alle hausgemacht:

1. „Von Mitschülern beschrieben“ suggeriert ein kollektives Urteil. Tatsächlich sind es drei Einträge im Abibuch, und sie sind keineswegs einheitlich negativ. Das Haller Kreisblatt fasste sie 2016 zusammen als Berichte „von einer freundlichen, hilfsbereiten, vor allem aber weltoffenen Mitschülerin“.

2. Der angebliche Belastungszeuge ist bis heute mit Weidel befreundet. Die taz hat ihn 2017 ausfindig gemacht: Er lebt in Köln, arbeitet in der Filmproduktion, möchte nicht namentlich genannt werden – und ist, Zitat, „noch immer“ mit ihr befreundet. Der Text ist ersichtlich im Ton eines frotzelnden Abi-Eintrags unter Freunden verfasst, nicht als eidesstattliche Charakterdiagnose.

3. Die Formulierung „schamlose Lügnerin“ steht so nirgendwo. Sie ist eine Zuspitzung des Sharepic-Autors, keine Wiedergabe der Quelle.

Warum das für die Aufklärungsseite ein Problem ist

Man könnte jetzt achselzuckend sagen: Wen interessiert’s, Hauptsache es geht gegen Weidel. Genau hier liegt der Denkfehler.

Wer Fake News entlarven will, muss selbst fakten­fest arbeiten. Ein Sharepic, das eine echte Quelle um drei Ecken verdreht, liefert der Gegenseite exakt die Steilvorlage, auf die sie wartet: „Seht ihr, die angeblichen Aufklärer machen’s ja selbst nicht anders.“ Ein einziger solcher Treffer reicht, um eine Stunde sauber recherchierte Faktenchecks mitzuentwerten. Das ist nicht kontraintuitiv, das ist Kommunikationsmechanik.

Hinzu kommt ein psychologischer Effekt: Wer einmal bei einer Übertreibung erwischt wurde, dem traut man auch die nächste, eigentlich korrekt recherchierte Geschichte nicht mehr. Vertrauen verliert man schnell, zurückgewinnen dauert lange. Für einen Blog oder eine Gruppe, die sich „Faktencheck“ auf die Fahne schreibt, ist das existenziell. Man sollte meinen, das sei allen Beteiligten klar. Offenbar ist es das nicht.

Hinzu kommt ein psychologischer Effekt: Wer einmal bei einer Übertreibung erwischt wurde, dem traut man auch die nächste, eigentlich korrekt recherchierte Geschichte nicht mehr. Vertrauen verliert man schnell, zurückgewinnen dauert lange. Für einen Blog oder eine Gruppe, die sich „Faktencheck“ auf die Fahne schreibt, ist das existenziell. Man sollte meinen, das sei allen Beteiligten klar. Offenbar ist es das nicht.

Pointiert gesagt: Wer Weidel etwas vorwerfen will, hat Material in industriellen Mengen – von der Bäckerei-Geschichte in Überlingen bis zur E-Mail-Affäre 2017. Es gibt wirklich keinen Grund, sich ausgerechnet an einem ironischen Abi-Eintrag eines ihrer Freunde festzubeißen und ihn zur charakterlichen Grundlagen­forschung zu erheben.

Wie man es besser macht

Der Text der Abizeitung ist interessant – aber als das, was er ist: ein pointierter Freundschaftsgruß unter Abiturienten, der im Nachhinein unfreiwillig komisch wirkt. Man kann ihn zitieren, einordnen, darüber schmunzeln. Was man nicht tun sollte: ihn als forensischen Beweis für eine „schon damals“ belegbare Charaktereigenschaft verkaufen und mit viralem Aufruf versehen.

Die Abizeitung belegt nicht, was das Sharepic behauptet. Sie belegt, dass ein Schulfreund 1998 Humor hatte.

Fazit

Echte Quelle, verdrehter Kontext, unnötiges Eigentor. Das Sharepic ist kein Faktencheck, sondern ein Stimmungsbild – und es schadet der Sache, der es zu dienen vorgibt. Wer AfD-Kritik ernst meint, sollte sich nicht auf das Niveau derer begeben, die er kritisiert. Die Fakten reichen auch ohne Nachhelfen.

Solche Beispiele sind kein Einzelfall. Wie populistische Aussagen funktionieren, zeigen wir hier im Detail:
👉 Populismus erkennen – Tricks & Manipulation

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