Das AfD Spritpreis Versprechen klingt verlockend – 1,45 € pro Liter, wenn man nur ein paar Steuern streicht. Wir schauen, was davon übrig bleibt.
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AfD und der Traum vom billigen Sprit: Zahlen ohne Bodenhaftung

Das AfD Spritpreis Versprechen klingt verlockend – 1,45 € pro Liter, wenn man nur ein paar Steuern streicht. Wir schauen, was davon übrig bleibt.

Ein Foto wie aus besseren Tankzeiten: Super für 1,45 €, Diesel fast gleichauf. „So sähen die Preise mit der AfD aus“, verkündet der AfD-Abgeordnete Daniel Wald – und liefert die vermeintliche Zauberformel gleich mit: CO₂-Abgabe weg, Mehrwertsteuer halbieren, EU-Steuern kürzen. Klingt verführerisch einfach – und genau das ist das Problem.

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Was behauptet wird

Laut AfD ließen sich die Spritpreise „sofort“ um rund 40–50 Cent senken, wenn nur drei politische Maßnahmen umgesetzt würden:

  1. Abschaffung der CO₂-Bepreisung,
  2. Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 %,
  3. Reduktion der EU-Energiesteuer auf das Mindestniveau.

Die Botschaft: Wer teuer tankt, zahlt für die „grüne Ideologie“ und den „Geldhunger des Staates“ – mit einem Regierungswechsel zur AfD wäre der Spritpreis wieder auf Vorkrisenniveau.

Was die Daten wirklich sagen

  • CO₂-Preis: Aktuell liegt er (Stand April 2026) bei rund 50 € pro Tonne. Das entspricht etwa 15 Cent pro Liter Benzin, 13 Cent pro Liter Diesel.
  • Mehrwertsteuer: Eine Halbierung auf 7 % würde rund 18 Cent pro Liter sparen – allerdings nur, wenn die Mineralölkonzerne den Vorteil komplett weitergeben (was erfahrungsgemäß selten passiert, siehe Tankschock 2022).
  • EU-Energiesteuern: Das EU-Minimum liegt weit unter dem deutschen Satz. Doch: Deutschland darf nicht einfach daruntergehen, solange die Energiesteuerrichtlinie gilt. Ein Austritt oder Vertragsbruch wäre nötig.

In Summe ergäbe das – falls alles rechtlich möglich und wirtschaftlich sauber weitergegeben würde – eine Entlastung von rund 30 bis 35 Cent. Selbst damit läge der Preis aktuell bei etwa 1,75 € statt 1,45 €. Die „AfD-Zapfsäule“ ist also keine Prognose, sondern eine Fantasie.

Zur Erinnerung: 2022 hat die Bundesregierung den Tankrabatt eingeführt – 35 Cent weniger pro Liter Benzin, 17 Cent weniger bei Diesel. Das Ergebnis? Die Mineralölkonzerne haben einen Großteil der Entlastung eingestrichen, statt sie an die Autofahrer weiterzugeben. Das ADAC-Fazit damals: mangelhaft. Wer also glaubt, dass diesmal die Konzerne brav mitspielen, hat 2022 offenbar verpasst.

Warum das irreführend ist

Die AfD suggeriert totale Handlungsfreiheit beim Spritpreis – in Wirklichkeit hängen Tankkosten von drei Faktoren ab: Rohölpreis, Wechselkurs und internationalem Marktumfeld. Nur ein Bruchteil des Preises ist national steuerpolitisch formbar.

Hinzu kommt: Eine Absenkung dieser Art würde die Haushalte um über 25 Milliarden € jährlich entlasten – Geld, das dann an anderer Stelle fehlt: bei Infrastruktur, Energiepreisbremsen oder Renten. Von „sofortiger Entlastung“ bliebe also ein kurzes Strohfeuer.

Zum Vergleich: 25 Milliarden Euro – das ist mehr als der gesamte Bundeshaushalt für Verkehr und digitale Infrastruktur. Davon werden Straßen saniert, Brücken repariert und der ÖPNV finanziert. Wer das streicht, spart nicht an der Zapfsäule – der spart an der Straße, auf der er zur Tankstelle fährt.

Die Einordnung (Unparteilichkeits-Check)

Auch andere Parteien versprechen gerne „Preisstopp“-Maßnahmen – meist in Wahlkampfzeiten. Doch weder SPD-staatliche Entlastungspakete noch CDU-Tankrabatte 2022 haben gezeigt, dass künstliche Eingriffe am Zapfhahn dauerhaft wirken.
Hier wie dort gilt: Wer einfache Lösungen für komplexe Marktmechanismen liefert, handelt populistisch – ganz gleich aus welchem Lager.

Wie solche Vereinfachungen in sozialen Medien funktionieren, zeigt auch unser Faktencheck zum angeblichen Farage-Sieg in Westminster.

Fazit (Appell an die Medienkompetenz)

Ein scharfes Foto, drei wohlklingende Schlagworte – und schon wirkt der AfD-Post wie eine ökonomische Offenbarung. Tatsächlich ist es ein Rechenbeispiel aus einem Alternativuniversum.
Wer echte Entlastung will, braucht Reformen mit Bodenhaftung – nicht Tankstellenfantasien mit Fraktionslogo.

Was tatsächlich helfen würde? Eine transparente Preisaufsicht an Tankstellen, wie sie das Bundeskartellamt seit der Markttransparenzstelle ansatzweise betreibt. Oder eine Reform der Pendlerpauschale, die Geringverdiener stärker entlastet als Vielverdiener. Aber das passt halt nicht auf ein Wahlkampffoto.


Quellen & Transparenzhinweis

Primärquellen:
Bundesfinanzministerium (Energiesteuersätze, April 2026), Umweltbundesamt
(CO₂-Bepreisung, Stand 2026),
EU-Dokumente
(Energiesteuerrichtlinie 2003/96/EG).

Kontext:
Der Beitrag bezieht sich auf eine aktuelle AfD-Kampagne, die vermeintlich realistische Spritpreise nennt, jedoch ohne ökonomische und rechtliche Grundlage.

Transparenz:
Dieser Beitrag wurde mit dem Ziel erstellt, manipulative Zuspitzungen in sozialen Netzwerken sachlich einzuordnen. Es besteht keine Verbindung zu politischen Parteien oder religiösen Organisationen.
Recherche & Einordnung: Dodicologne Nachgehakt.

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