Zwei Umspannwerke, ein Tag: Sabotage am deutschen Stromnetz
Am 1. September 2026 wurden innerhalb weniger Stunden zwei Hochspannungs-Umspannwerke in Deutschland angegriffen — morgens in der Lausitz, abends bei Köln. Beide lagen in unmittelbarer Nachbarschaft von Braunkohlekraftwerken. Beide blieben ohne den angestrebten Effekt eines Blackouts. Aber mit einer Botschaft, die schwer zu überhören ist: Das Stromnetz ist angreifbarer als gedacht.
Jänschwalde: Raketen gegen die Hochspannungsleitung
Am Morgen des 1. September 2026 wurde das Umspannwerk Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße (Brandenburg) mehrfach angegriffen. Täter nutzten selbstgebaute Raketenwerfer und platzierten Sprengvorrichtungen an der Anlage. Einsatzkräfte fanden und entschärften mehrere nicht gezündete Vorrichtungen.
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) bestätigte: In zwei Fällen sei es den Tätern gelungen, leitfähiges Material in die Höchstspannungsleitung einzubringen. In weiteren Fällen sei das „glücklicherweise nicht gelungen.“ Block B des Kraftwerks Jänschwalde schaltete sich nach einem kurzzeitigen Leitungsausfall selbsttätig ab; laut Betreiber Leag sollte er noch am Abend des 1. September 2026 wieder ans Netz gehen. Einen Flächenblackout gab es nicht. Die Ermittlungen übernahm das Polizeipräsidium Potsdam.
Das Umspannwerk Turnow-Preilack ist ein zentraler Knotenpunkt im Übertragungsnetz der Lausitz. Es verteilt den im Kraftwerk Jänschwalde erzeugten Strom überregional und regional weiter — über den Betreiber 50Hertz. Das Kraftwerk selbst wurde zwischen 1976 und 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet und ist eines der bekanntesten Symbole des Braunkohle-Ausstiegs-Streits in Deutschland.
Einordnung: Jänschwalde ist nicht irgendein Kraftwerk. Es steht für den Lausitz-Strukturwandel, für Arbeitsplätze, die verschwinden, für eine Region, die sich in der Energiewende-Debatte überhört fühlt. Wer hier angreift, weiß das. Ob das die Motivation der Täter war oder nur ein Nebeneffekt — das ist Stand 2. September 2026 offen.
Bergheim-Rheidt: Blitze, Explosionen, Drohnenverdacht
Am Abend desselben Tages, gegen 20 Uhr, wurde ein weiteres Umspannwerk angegriffen — diesmal in Bergheim-Rheidt im Rhein-Erft-Kreis, Nordrhein-Westfalen, 22 Kilometer westlich von Köln.
Anwohner meldeten plötzliche Blitzerscheinungen und explosionsartige Geräusche im Bereich des Umspannwerks des Übertragungsnetzbetreibers Amprion. Kurz darauf kreiste ein Polizeihubschrauber über der Anlage. Ein angrenzendes Maisfeld wurde großräumig abgesperrt. Durch einen Kurzschluss fielen mehrere Hochspannungsleitungen aus. Die allgemeine Stromversorgung der Region blieb laut Polizei unberührt.
Die Ermittlungen übernahm das Polizeipräsidium Essen, das in engem Austausch mit Amprion und dem Energiekonzern RWE stand. Ein Polizeisprecher sagte dem WDR, man gehe von einer vorsätzlichen Tat aus; ein technischer Defekt sei ausgeschlossen. Welches Tatmittel eingesetzt wurde, blieb am Morgen des 2. September 2026 offiziell ungeklärt. Mehrere Medien berichteten über einen möglichen Drohneneinsatz — das war zu Redaktionsschluss dieser Veröffentlichung von Behördenseite nicht bestätigt.
Das Umspannwerk liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Kohlekraftwerks Niederaußem (RWE) — eines der größten Braunkohlekraftwerke Europas.
Was diese beiden Tatorte verbindet
Zwei Bundesländer, zwei Netzbetreiber, zwei Methoden — und ein gemeinsames Merkmal: Beide angegriffenen Umspannwerke lagen in unmittelbarer Nähe von Braunkohlekraftwerken. Jänschwalde in der Lausitz ist ein ostdeutsches Symbol für den zähen Abschied von der Kohle. Niederaußem im Rheinischen Revier ist sein westdeutsches Pendant — und ebenfalls ein Dauerstreitpunkt im Energiewende-Diskurs.
Die Polizei bestätigte, sie prüfe mögliche Zusammenhänge zwischen beiden Vorfällen. Mehr war am 2. September 2026 offiziell nicht bekannt. Ein Bekennerschreiben lag nicht vor.
Was wir dennoch ablesen können: Die Methoden werden komplexer. Beim Berliner Anschlag vom 3. Januar 2026 reichten Feuer und Kabel. In Jänschwalde kamen selbstgebaute Raketenwerfer zum Einsatz. In Bergheim-Rheidt möglicherweise Drohnen — handelsüblich, kaum rückverfolgbar, schwer abzuwehren. Drei Angriffe auf das Stromnetz in weniger als neun Monaten. Das ist keine zufällige Häufung.
Gleichzeitig ist Vorsicht geboten. Täterschaft und Motivation sind Stand heute offen. Die Ermittlungen laufen in Brandenburg beim Polizeipräsidium Potsdam, in NRW beim Polizeipräsidium Essen — und ob beide Fälle koordiniert waren oder unabhängig voneinander stattfanden, ist noch ungeklärt.
Einordnung: Drei Angriffe auf die Strominfrastruktur in neun Monaten — das zwingt zu einer Frage, die unbequem ist: Wer kennt das System gut genug, um immer wieder die richtigen Schwachstellen zu finden? Und wer bereitet sich gründlich genug vor, um zwei Angriffe an einem einzigen Tag zu koordinieren? Die Antwort liegt bei den Ermittlern. Die Frage bleibt bei uns.
Wie angreifbar ist das Stromnetz?
Die Antwort ist unbequem: sehr. Das deutsche Übertragungsnetz ist kein Hochsicherheitstrakt. Umspannwerke sind in der Regel mit Zaun, Kamera und gelegentlichem Sicherheitsdienst gesichert — kein Schutz gegen entschlossene Angreifer mit Raketenwerfer oder Drohne.

Lizenzfreies Basismaterial | Bildkomposition: D. Nichau / didicologne-nachgehakt.de
Amprion betreibt rund 11.000 Kilometer Höchstspannungsnetz — von der Nordsee bis in die Alpen, Strom für 29 Millionen Menschen. 50Hertz ist für Ost- und Norddeutschland zuständig. Beide sind nach dem KRITIS-Dachgesetz als kritische Infrastruktur eingestuft. Das Gesetz wurde 2024 novelliert, die Sicherheitsanforderungen wurden verschärft. Ob das reicht, ist spätestens seit dem 1. September 2026 eine offene Frage.
Das Netz hat funktioniert — redundant und selbstschützend, wie es soll. In keinem der drei Fälle kam es zu einem dauerhaften Blackout. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Die Angriffe werden präziser. Und niemand kann garantieren, dass das Netz auch dann noch hält, wenn die Täter ihre Hausaufgaben ordentlicher machen.
Den Zusammenhang zwischen Energiewende, Kohleausstieg und dem wachsenden Druck auf die Energieinfrastruktur hat dieser Blog bereits analysiert — der Artikel über den EEG-Stillstand und die Rolle der Energiekonzerne bietet dazu nützliche Hintergründe: Energiewende im Stillstand: Wie die Energiekonzerne blockieren
Was bleibt: Zwei Angriffe in einer Nacht, null gesicherte Erkenntnisse zur Täterschaft, zwei Netzbetreiber im Krisenmodus. Deutschland hat in weniger als neun Monaten dreimal erlebt, dass seine Strominfrastruktur angreifbar ist. Das kann kein Zufall mehr sein — und kann nicht länger als Randnotiz behandelt werden.
Wer die Energiewende will, muss auch die Energieinfrastruktur schützen. Wer das Stromnetz angreift, trifft alle — nicht nur den Kohlekonzern. Und wer das als Kollateralschaden seiner politischen Agenda verbucht, hat aufgehört, die Realität zur Kenntnis zu nehmen.
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Quellen
Hier können Sie meine Arbeit selbst recherchieren.
- Euronews DE: Mutmaßlicher Anschlag — Raketen auf Umspannwerk in Brandenburg (1. September 2026)
- ZFK: Mutmaßlicher Anschlag auf Umspannwerk bei Jänschwalde (2. September 2026)
- Euronews DE: Sabotage-Akte in Deutschland — Angriff auf Umspannwerk bei Köln (2. September 2026)
- Presse.Online: Störung im Umspannwerk Bergheim (2. September 2026)
- ANC-Newswire: Möglicher Drohnen-Anschlag auf Umspannwerk bei Bergheim (2. September 2026)
- DTS Nachrichtenagentur via Made in Bocholt: Möglicher Anschlag auf Umspannwerk in Bergheim (2. September 2026)
Abrufdatum aller Quellen: 2. September 2026
Hinweis: Für Recherche und Formulierung wurde KI unterstützend genutzt. Der Beitrag wurde vor der Veröffentlichung von mir geprüft, bearbeitet und redaktionell verantwortet.