Infografik PKS 2025: 38,5% Tatverdächtige nichtdeutsch, aber nur 8,2% aller Tatverdächtigen sind Zuwanderer — vor AfD-Wahlkampf-Silhouetten mit Slogans

Tatort Statistik: Was die Kriminalitätszahlen 2025 zeigen — und was die AfD daraus macht

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Kurz gefasst: Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 ist veröffentlicht — und die „AfD“ dreht sich fleißig um sie herum, um die Wahrheit zu vermeiden. Was die Zahlen wirklich zeigen, was sie nicht zeigen können, und wie daraus Wahlkampfmunition für MV und Sachsen-Anhalt wird.


Die Zahlen, die die AfD liebt — und der Kontext, den sie verschweigt

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 (PKS 2025), veröffentlicht vom Bundesinnenministerium im April 2026, ist eine Goldgrube für diejenigen, die mit Zahlen arbeiten, ohne Zusammenhänge zu erklären. Und die „AfD“ nutzt sie — in Sachsen-Anhalt, in Mecklenburg-Vorpommern, auf Podien und in Sharepics — mit einer Beharrlichkeit, die umgekehrt proportional zu ihrer Sorgfalt ist.

Was die PKS 2025 tatsächlich zeigt: Von den erfassten Tatverдächtigen hatten rund 38,5 Prozent keine deutsche Staatsangehörigkeit — bei einem Bevölkerungsanteil von 15 Prozent. Das ist die Zahl, die die „AfD“ plakatiert. Was sie dabei verschweigt: Darunter fallen EU-Bürger, anerkannte Schutzberechtigte, Langzeitresidente und Studierende. Trennt man diese Gruppen auf und betrachtet ausschließlich Zuwanderer im engeren Sinne, kommt man auf 8,2 Prozent aller Tatverdächtigen.

8,2 Prozent — nicht 38,5. Das ist der Unterschied zwischen Statistik und Propaganda.


Was die Statistik nicht kann — und was Kriminologen seit Jahren erklären

Die Kategorie „Ausländerkriminalität“ ist laut Kriminologen weder polizeilich noch wissenschaftlich verwertbar. Nicht weil die Zahlen falsch wären — sondern weil sie ohne Kontext irreführen.

Erstens: Unter „Ausländer“ fallen in der PKS EU-Bürger, Arbeitsmigrantinnen, Studierende, anerkannte Flüchtlinge, Touristen und Menschen ohne geregelten Aufenthalt. Eine Gruppe, die kaum homogener sein könnte — statistisch in einen Topf geworfen.

Zweitens: Die entscheidenden Faktoren für Kriminalität sind nicht Nationalität, sondern Alter, Geschlecht und sozioökonomische Lage. Junge Männer begehen mehr Straftaten als ältere Frauen — unabhängig von Herkunft. In der Gruppe der Nichtdeutschen sind junge Männer überproportional vertreten, schlicht weil Migration dieses demografische Profil hat.

Drittens: Die Gesamtzahl der Tatverdächtigen ist seit 2024 rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Zahlen ohne Aufenthaltsdelikte um rund 3 Prozent zurück. Das erwähnt die „AfD“ im Wahlkampf nicht.

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Was Holm in Schwerin behauptet — und was stimmt

Leif-Erik Holm, Ministerpräsidentenkandidat der „AfD“ in Mecklenburg-Vorpommern, behauptete auf einer Wahlkampfveranstaltung in Schwerin, die Hälfte der Bürgergeldempfänger seien Migranten, „die zum Teil eben illegal in unser Land gekommen sind.“ Zwei Behauptungen in einem Satz — beide nicht belegt.

Zunächst zur Zahl: Laut Bundesagentur für Arbeit hatten rund 43 Prozent der erwerbsähigen Bürgergeldempfänger keine deutsche Staatsangehörigkeit. Darunter fallen aber EU-Bürger mit vollem Aufenthaltsrecht, anerkannte Schutzberechtigte und Menschen, die seit Jahren legal in Deutschland leben. Den Begriff „illegal“ auf die Mehrheit dieser Gruppe anzuwenden ist sachlich falsch.

Dazu kommt: Bürgergeld erhalten nur Personen mit legalem Aufenthaltsstatus oder laufendem Schutzverfahren. Wer „illegal“ im Land ist, hat keinen Anspruch. Holms Satz ist in sich widersprüchlich — ein Detail, das im Applaus der Wahlkampfbühne untergeht.


Das Muster: Drehen, bis die Wahrheit verschwindet

Die „AfD“ dreht sich um die Wahrheit, um sie zu vermeiden. Das ist kein Zufall, sondern Methode. Bekannte Muster aus dem Populismus-Werkzeugkasten: Rohdaten ohne Kontext präsentieren. Vergleichsgruppen weglassen. Rückläufige Zahlen ignorieren. Und immer: die Zahl, die am schwersten klingt, in die Schlagzeile schreiben.

Was in MV und Sachsen-Anhalt gerade passiert, ist Lehrbuchpopulismus: Kurz vor der Wahl werden Zahlen als Waffe eingesetzt — nicht um Probleme zu lösen, sondern um Angst zu erzeugen. Denn wer Angst hat, fragt nicht nach Kontext. Er wählt das Original, nicht die Analyse.

Wer sich für den aktuellen „AfD“-Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern interessiert und dafür, wie Holm diese Narrative auf der Bühne einsetzt, findet die Analyse hier im Blog.


Was bleibt: Die PKS 2025 zeigt reale Zahlen. Was die „AfD“ daraus macht, ist reale Desinformation. Der Unterschied liegt im Kontext — und der wird systematisch weggelassen. Wer Kriminalität wirklich bekämpfen will, braucht Daten. Wer Wahlen gewinnen will, braucht Angst. Beides gleichzeitig geht nicht.

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Die Belege liegen auf dem Tisch.

Bundesministerium des Innern: Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, April 2026

CORRECTIV: Faktencheck zur PKS 2025, 15.04.2026

Mediendienst Integration: Begehen Ausländer öfter Straftaten als Deutsche?, April 2026

Tagesspiegel: Der nette Herr Holm — Wahlkampf MV, 18.07.2026

Focus: Ausländerkriminalität — was die Zahlen wirklich zeigen, 18.07.2026

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