Grafik zur Einordnung einer Meldung über die Kölner Osterkirmes: Im Hintergrund ist die nächtliche Skyline von Köln mit dem Dom und einem beleuchteten Riesenrad am Rheinufer zu sehen. Über das Bild legt sich ein Textblock, der behauptet, die Kirmes fiele wegen eines 'einzigen egoistischen Leverkuseners' aus. Ein zentraler grüner Balken mit der weißen Aufschrift 'EINORDNUNG' macht deutlich, dass dieser Inhalt vom Blog 'Didicologne Faktencheck' kritisch geprüft wird.

Deutzer Kirmes 2026: EU blockiert Köln Tradition?

Auf Facebook macht ein Beitrag die Runde, der die Situation um die Deutzer Kirmes auf eine einfache Formel bringt: Ein einziger „egoistischer Leverkusener“ verhindere das gesamte Volksfest — und die EU stecke dahinter. Die Realität ist komplizierter, aber nicht weniger ärgerlich.

Was tatsächlich passiert ist

Die Deutzer Kirmes — eines der traditionsreichsten Volksfeste Kölns — fiel zuletzt mehrfach hintereinander aus. Der Grund: ein Vergaberechtsstreit zwischen der Gemeinschaft Kölner Schausteller (GKS) und dem Leverkusener Schausteller Wilfried Hoffmann.

Der Hintergrund: Die Stadt Köln musste das Volksfest europaweit ausschreiben, weil der Auftragswert die EU-Schwelle von 750.000 Euro überschreitet. Bei der Ausschreibung für 2025–2030 empfahl ein Auswahlgremium die GKS — den traditionellen Kölner Verband mit über 50 Jahren Erfahrung. Hoffmann, der die Kirmes zuletzt durch ein Losverfahren ausgerichtet hatte, legte Einspruch ein. Die Vergabekammer der Bezirksregierung Köln wies ihn zurück. Hoffmann zog weiter vor das Oberlandesgericht Düsseldorf.

Folge: Bis zur OLG-Entscheidung durfte kein Zuschlag erteilt werden. Die Herbstkirmes 2025 fiel aus. Die Osterkirmes 2026 fiel aus — zum dritten Mal in Folge. Die Stadt Köln bot 2025 noch eine Ausweichveranstaltung in Rodenkirchen an, 2026 blieb die Deutzer Werft komplett leer.

Was das mit der EU zu tun hat — und was nicht

Ja, das EU-Vergaberecht (Richtlinie 2014/24/EU) gilt ab einem bestimmten Auftragswert. Es schreibt vor, dass öffentliche Aufträge diskriminierungsfrei und europaweit ausgeschrieben werden müssen — auch Volksfeste, wenn sie in diese Kategorie fallen. Lokale Tradition oder langjährige Erfahrung darf dabei kein alleiniges Vergabekriterium sein.

Das klingt bürokratisch — und ist es auch. Aber die EU hat die Kirmes nicht „blockiert“. Das EU-Recht schafft den Rahmen, innerhalb dessen jeder Schausteller das Recht hat, rechtliche Mittel einzulegen. Genau das hat Hoffmann getan — was rechtlich sein gutes Recht war, auch wenn die Konsequenzen für Köln bitter waren.

Wie die Sache ausging

Das OLG Düsseldorf verhandelte den Fall am 22. April 2026. Das Ergebnis: Hoffmann erhielt den Zuschlag nicht. Die GKS darf die Deutzer Kirmes nun von 2026 bis 2029 ausrichten. Die Tradition kehrt zurück — nach drei Jahren Zwangspause.

Der Schaden für Schausteller, Gastronomie und Besucher bleibt trotzdem real. Mehrere kleine Schaustellerbetriebe, für die die Deutzer Kirmes wie die Wiesn für bayerische Kollegen ist, haben durch den jahrelangen Ausfall erhebliche Einnahmen verloren.

Was der Facebook-Post vereinfacht

Die Reduktion auf „einen egoistischen Leverkusener“ und „die EU“ greift zu kurz. Hoffmann hat geltendes Recht genutzt — das ist kein Skandal, auch wenn die Folgen für Köln ärgerlich waren. Und die EU hat keine Kirmes verboten, sondern einen Rechtsrahmen geschaffen, innerhalb dessen Vergabeverfahren anfechtbar sind.

Die eigentliche Frage ist eine politische: Sollte das EU-Vergaberecht für kulturelle Volksfeste mit langer lokaler Tradition Ausnahmen kennen? Das ist eine legitime Debatte — aber sie verdient mehr als einen empörten Facebook-Post ohne Kontext.

Wie solche vereinfachenden Narrative gezielt für Stimmungsmache genutzt werden, zeige ich in meinem Artikel über Populismus und Manipulationstricks.

Fazit

Bewertung: Einordnung — vereinfachend

Der Ärger über den Ausfall der Deutzer Kirmes ist berechtigt. Die Darstellung als EU-Blockade durch einen egoistischen Einzelnen trifft die Realität aber nicht. Es handelt sich um einen komplexen Vergaberechtsstreit mit mehreren Beteiligten — der letztlich zu Gunsten Kölns entschieden wurde. Die Kirmes kommt zurück.

Quellen

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