Ulrich Siegmund (AfD) auf Wahlkampfveranstaltung; rechts Filmteam mit Deutschlandfahne — Identitäre produzieren Wahlkampfbilder
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Siegmund & die Identitären: Wer macht Wahlkampf für die „AfD“?

24. August 2026

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Einordnung: CORRECTIV hat aufgedeckt, wer hinter Ulrich Siegmunds Wahlkampfbildern steckt – kein professionelles Medienunternehmen, sondern ein Netzwerk aus Aktivisten der rechtsextremen Identitären Bewegung. Der „AfD“-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt gibt sich als freundlicher Typ von nebenan. Wer die Kamera hält, sagt etwas anderes über ihn.

In 13 Tagen (6. September 2026) wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Die „AfD“ liegt in Umfragen bei rund 42 Prozent, eine Regierungsbeteiligung erscheint erstmals realistisch. Ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund gibt sich im Wahlkampf als nahbarer Typ: Moped-Ausfahrten, bürgernah präsentiert, ein Lächeln für die Kamera. Was CORRECTIV vor wenigen Tagen (19. August 2026) aufgedeckt hat, verändert das Bild grundlegend. Denn wer die Kamera hält, ist entscheidend.


Das freundliche Gesicht: Mopeds, TikTok und kalte Küche

Siegmund hat seinen Wahlkampf auf eine klare Strategie aufgebaut: Zugänglichkeit als Markenkern. Der TikTok-Kanal „Mutzurwahrheit90“ zählt inzwischen mehr als 760.000 Abonnenten. Die Inhalte folgen einem Drehbuch: sachsen-anhaltinische Landschaften, Begegnungen mit scheinbar zufälligen Bürgern, ein Kandidat, der zuhört, nickt und lächelt.

Das Bildmaterial ist professionell komponiert. Kein Zufall, keine spontane Handykamera. Es steckt Arbeit dahinter – und zwar die Arbeit von Leuten, die sehr genau wissen, was sie tun.

Was Siegmund selbst über seine Methode denkt, hat er beim Potsdamer Treffen im November 2023 offenbart. Dort soll er erklärt haben, wie er vorgeht: erst Vertrauen aufbauen, die harten politischen Inhalte dann „durch die kalte Küche“ servieren. Das freundliche Gesicht im Wahlkampf ist also keine Persönlichkeit – es ist eine Taktik. Eine, die auf die Mechanismen der Vertrauensmanipulation setzt, wie wir sie in unserem Beitrag über Populismus und Manipulation beschrieben haben.


Wer die Bilder macht: Das Filmkunstkollektiv

CORRECTIV hat in einer Recherche vom 19. August 2026 dokumentiert, wer konkret hinter Siegmunds Medienstrategie steckt. Das sogenannte „Filmkunstkollektiv“ begleitet ihn bei Wahlkampfauftritten, filmt, schneidet und liefert das Material, das auf den AfD-Kanälen landet.

Hinter dem Kollektiv stehen Aktivisten aus der Identitären Bewegung und weiteren Strukturen des neurechten Spektrums. Die Personen, die hier für Siegmund arbeiten, sind keine unbeschriebenen Blätter: Dieselben Netzwerke, die bei internationalen Vernetzungstreffen der Identitären Europas als Medienteam auftreten und rechtsextreme Kampagnen visuell begleiten, produzieren jetzt die Bilder, die Siegmund als volksnah und bürgerlich inszenieren sollen.

Was auf dem Bild harmlos aussieht – ein Politiker, der seinen Leuten zuhört – entsteht in einem ideologisch alles anderen als harmlosen Umfeld.


Das Geld: Fraktionsmittel für rechtsextremes Vorfeld

Besonders brisant ist die finanzielle Seite. Laut CORRECTIV soll über Aufträge Geld aus der „AfD“-Fraktion in Sachsen-Anhalt an das Filmkunstkollektiv und seine Aktivisten geflossen sein. Wie viel, lässt sich nicht vollständig beziffern: Fraktionsausgaben erscheinen in parlamentarischen Rechenschaftsberichten in der Regel als Sammelkategorien, nicht als Einzelposten.

Das Prinzip ist dennoch klar: Öffentliche Fraktionsmittel – Steuergelder – finanzieren eine Medienproduktion, die ideologisch in der rechtsextremen Identitären Bewegung verwurzelt ist. Aus Parlamentsarbeit wird Propagandafinanzierung. Aus dem Budget der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler wird die Wahlkampf-Maschine einer Partei, die der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch einstuft.


Was die Identitäre Bewegung ist

Die Identitäre Bewegung ist nach Einschätzung der Bundeszentrale für politische Bildung eine neurechte und rechtsextreme Gruppierung, die seit Ende 2012 in Deutschland aktiv ist. Sie vertritt ethnopluralistische, islamfeindliche, rassistische und demokratiefeindliche Positionen – verpackt in provokante Aktionen und eine moderne Symbolsprache.

Seit 2014 beobachten mehrere Verfassungsschutzbehörden die Identitäre Bewegung. Ihre Verbindungen zur internationalen „Nouvelle Droite“ und zu Teilen der europäischen Rechtsaußen-Szene sind dokumentiert. Der Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt stuft den dortigen „AfD“-Landesverband als gesichert rechtsextremistisch ein. Die personellen Überschneidungen zwischen Identitärer Bewegung und der Partei sind damit keine Überraschung – sie sind Ausdruck einer strukturellen Nähe, die sich im Wahlkampf 2026 nun in der Bildproduktion materialisiert.


Die Strategie dahinter: Tarnung als Methode

Was aus der Verbindung zwischen Filmkunstkollektiv und Siegmund-Wahlkampf entsteht, folgt einer klaren Logik. Die Identitären liefern Bilder, die von ihrer eigenen Ideologie nichts zeigen – und die „AfD“ bekommt Wahlkampfmaterial, das gemäßigt, bürgernah und professionell wirkt. Der ideologische Gehalt ist vorhanden – er ist nur nicht sichtbar für Wählerinnen und Wähler, die nicht wissen, wer die Kamera hält.

Das ist kein Zufall, das ist Kalkül. Rechtsextreme Parteien tarnen sich mit gemäßigtem Auftreten. Das ist nicht neu. Neu ist das Ausmaß der professionellen Inszenierung und die Dreistigkeit, mit der Fraktionsmittel dafür eingesetzt werden.


13 Tage vor der Wahl: Warum das zählt

Am 6. September 2026 entscheiden die Menschen in Sachsen-Anhalt, wer das Bundesland regiert. Die „AfD“ führt die Umfragen an. Eine Regierungsbeteiligung ist realistisch wie nie.

In diesem Kontext ist die Frage, wer Siegmunds Wahlkampf trägt, keine Fußnote. Es ist eine Frage darüber, was eine mögliche „AfD“-Regierung in Sachsen-Anhalt tatsächlich bedeutet: nicht nur die Wahlversprechen aus dem Regierungsprogramm – die wir in unserer vierteiligen Serie beleuchtet haben, beginnend mit Teil 1 zum „AfD“-Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt – sondern auch das Netzwerk, das hinter der freundlichen Oberfläche steht.

Wer jetzt wählt, wählt nicht nur ein Programm. Er wählt auch die Leute, die den Kandidaten ins Bild gesetzt haben.


Was bleibt: Siegmund ist das freundliche Gesicht – aber nicht die ganze Geschichte. CORRECTIV hat aufgedeckt, dass sein Wahlkampfmaterial aus der rechtsextremen Identitären Bewegung stammt und Fraktionsgelder diese Verbindung finanzieren. Der Mann selbst hat beim Potsdamer Treffen erklärt, wie er vorgeht: Vertrauen durch die Vordertür, radikale Inhalte durch die kalte Küche. Die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt sollten wissen, wer die Kamera hält – bevor sie am 6. September 2026 entscheiden.

Alle Fakten selbst nachprüfbar – wie es sich gehört.

CORRECTIV: Marschieren, inszenieren, kassieren – Identitäre produzieren Bilder für Siegmunds Wahlkampf – correctiv.org (19. August 2026)

CORRECTIV: AfD Sachsen-Anhalt – So radikal ist der Landesverband – correctiv.org (7. August 2026)

Volksverpetzer: Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026 (Überblick) – volksverpetzer.de (Abruf: 24. August 2026)

Bundeszentrale für politische Bildung: Identitäre Bewegung – bpb.de (Abruf: 24. August 2026)

Hinweis: Für Recherche und Formulierung wurde KI unterstützend genutzt. Der Beitrag wurde vor der Veröffentlichung von mir geprüft, bearbeitet und redaktionell verantwortet.

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